VITA Magazin
3-2021
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Die Schilddrüse

Sie hat die Form eines Schmetterlings und sitzt im vorderen Teil unseres Halses: Die Schilddrüse hat eine Vielzahl von Aufgaben im Organismus. Erkrankungen zeigen sich in verschiedensten Symptomen


Im Stoffwechsel des Menschen spielt die Schilddrüse eine wichtige Rolle: Sie ist für die Produktion von Hormonen zuständig, die eine Vielzahl von Funktionen im Körper beeinflussen. Auch das seelische Wohlbefinden ist stark von der Schilddrüse abhängig – das Gleiche gilt für das Wachstum von Haaren, Haut und Nägeln, die Sexualität und die Fruchtbarkeit. Bei Kindern und Jugendlichen erfüllt die Schilddrüse eine weitere Aufgabe: Sie steuert ihre körperliche und geistige Entwicklung.


Weit verbreitet: Veränderungen der Schilddrüse


Jeder dritte Mensch in Deutschland leidet an einer Veränderung der Schilddrüse. Diese kann sehr unterschiedliche Symptome mit sich bringen: Gewichtszunahmen, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen treten besonders häufig auf. Liegt eine Über- oder Unterfunktion vor, gerät die Produktion der Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht. 


Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse – man nennt sie Hypothyreose – werden weniger Hormone produziert als der Körper benötigt. Als Symptome kommen depressive Verstimmungen, häufiges Frieren, Gewichtszunahme trotz gleichbleibender Ernährungsgewohnheiten, Müdigkeit, Schlafstörungen und Haarausfall infrage. Sie können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, treten manchmal auch gar nicht auf. Die Schilddrüsenunterfunktion zeigt sich häufig in Lebensphasen, in denen sich der Hormonhaushalt verändert: während der Pubertät, der Schwangerschaft oder der Wechseljahre. 


Die Folgen einer Schilddrüsenunterfunktion sind eine geringere Leistungsfähigkeit und ein verlangsamter Stoffwechsel. Häufig steckt eine Hashimoto-Thyreoiditis hinter der Störung, eine Autoimmunerkrankung. Die Beschwerden können mit Hormontabletten gelindert werden – meistens müssen diese ein Leben lang eingenommen werden. 


Mehr Hormone als benötigt produziert die Schilddrüse bei einer Schilddrüsenüberfunktion, auch Hyperthyreose genannt. Typische Symptome dafür sind eine Gewichtsabnahme trotz gleichbleibender Ernährung, häufiges Schwitzen, häufiger Durchfall, Haarausfall und Zyklusstörungen bei Frauen. Auch Herzrhythmusstörungen oder Herz-Kreislaufprobleme können vermehrt auftreten. Oft liegt der Überfunktion ein Morbus Basedow zugrunde, eine grundsätzlich heilbare Autoimmunerkrankung. Medikamente mit schilddrüsenhemmenden Wirkstoffen können die Symptome lindern. Hat eine medikamentöse Therapie keinen Erfolg, kann auch eine Operation oder eine Radiojodtherapie erwogen werden.


Wer an einer Schilddrüsenüberfunktion leidet, sollte darauf achten, möglichst wenige jodhaltige Medikamente einzunehmen. Auch jodhaltige Röntgenkontrastmittel können sich negativ auswirken.


Ein häufiges Leiden: die Schilddrüsenvergrößerung (Struma)


Eine krankhaft vergrößerte Schilddrüse wird Kropf oder auch Struma genannt. Die häufigste Ursache der Erkrankung ist ein längerer Jodmangel: Dabei versucht der Körper diesen und die damit verbundene Unterversorgung mit Hormonen durch eine Vermehrung der hormonproduzierenden Schilddrüsenzellen auszugleichen – die Schilddrüse vergrößert sich. Auch bestimmte Substanzen in Medikamenten können das Wachstum der Schilddrüse anregen, Tumore und Entzündungen ebenfalls eine Struma verursachen.


Kleine Strumen werden von den Betroffenen oft nicht bemerkt. Mit steigendem Wachstum kommt es früher oder später zu Beschwerden wie Kloß-, Druck- oder Engegefühlen am Hals. Auch Schluckstörungen können ein Symptom für eine Schilddrüsenvergrößerung sein – sie treten häufig auf, wenn die Schilddrüse auf die Speiseröhre drückt.

Besteht Verdacht auf eine Struma, nimmt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung des Halses vor und ermittelt die wichtigsten Schilddrüsenwerte im Blut.


Die Therapie einer Schilddrüsenvergrößerung hängt von den jeweiligen Symptomen ab. Die meisten Befunde sind nicht sehr ausgeprägt, machen praktisch keine Beschwerden und müssen daher auch nicht aggressiv behandelt werden. Zur Verkleinerung der Schilddrüse oder zur Verhinderung weiteren Wachstums kann die Einnahme von Jod oder Schilddrüsenhormonen sinnvoll sein. Liegt eine größere Zyste vor, wird diese häufig punktiert – die Zystenflüssigkeit also entfernt. Weitere Therapiemöglichkeiten sind eine Schilddrüsenoperation oder eine Radiojodtherapie. Bei bösartigen Tumoren muss nahezu immer operiert werden.


Schilddrüsenwerte: Was ist normal?


Für eine Untersuchung der Schilddrüse, bestimmt der Arzt in den meisten Fällen den sogenannten TSH-Wert. Das Hormon TSH entsteht in der Hirnanhangdrüse und steuert die Hormonproduktion der Schilddrüse. Im Normbereich liegt ein TSH-Wert von 0,4 bis 4. Während jüngere Frauen häufig höhere Hormonwerte haben, zeigen ältere Menschen oft eine leichte Unterfunktion der Schilddrüse.

Um die Schilddrüse vor Erkrankungen zu schützen, muss der Körper mit einer ausreichenden Menge an Jod versorgt werden. Wie viel Jod dafür notwendig ist, hängt von Faktoren wie dem Alter oder der Umweltbelastung ab. Für die tägliche Versorgung eines Erwachsenen wird eine Menge von 200 Mikrogramm empfohlen.