VITA Magazin
4-2021
4/18

Tinnitus

Wenn es im Ohr oder im Kopf hartnäckig rauscht, pfeift oder klingelt, spricht man von einem Tinnitus. Die Ohrgeräusche treten im Patienten selbst auf und können verschiedenste Ursachen haben

Ein Tinnitus ist nur für die betroffene Person wahrnehmbar – die Ohrgeräusche können anhaltend sein oder immer wiederkehren. Obwohl ein Tinnitus nicht gefährlich ist, kann er die Lebensqualität erheblich einschränken: Betroffene sind häufig sehr stark belastet. Mediziner unter- scheiden zwischen einem akuten und einem chronischen Tinnitus: Bei der akuten Form liegt der Beginn der Krankheit weniger als drei Monate zurück – sie tritt oft im Zusammenhang mit einer Erkrankung der Ohren auf. Bei einem chronischen Tinnitus bestehen die Symptome seit mehr als drei Monaten und können – trotz einer Behandlung – jahrelang andauern. Da sich die Ursache für das Leiden meistens nur schwer ermitteln lässt, ist auch die Behandlung oft schwierig. Je früher eine Therapie begonnen wird, desto besser sind auch die Chancen für eine Heilung.

Viele mögliche Ursachen

Körperliche Faktoren, die einen Tinnitus auslösen können, sind zum Beispiel Erkrankungen, die eine Schwerhörigkeit verursachen wie ein Hörsturz oder eine Otosklerose. Auch Funktionsstörungen der Halswirbelsäule oder Kieferfehlstellungen sind nach Meinung von Experten mögliche Auslöser von Ohrgeräuschen. Das Gleiche gilt für veränderte Druckverhältnisse im Ohr oder verschiedene Stoffwechselerkrankungen. Auch eine Lärmschädigung oder ein Knall-Trauma können einen Tinnitus nach sich ziehen. Morbus Menière, eine Krankheit, die mit Schwerhörigkeit und Schwindel- Attacken einhergeht, ist ebenfalls eine mögliche Ursache – ebenso die klassische Alter-Schwerhörigkeit, die sich oft im Zusammenhang mit Tinnitus-Symptomen zeigt. Häufige seelische Ursachen eines Tinnitus sind Depressionen und Angst-Erkrankungen. Auch Stress im privaten oder beruflichen Umfeld kann sich durch Ohrgeräusche bemerkbar machen.

Ohrgeräusche sollten untersucht werden 

Halten die Symptome länger als drei Tage an, empfiehlt es sich, ärztlichen Rat einzuholen. Der beste Ansprechpartner ist jetzt ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt. In einem ersten Gespräch wird die Krankengeschichte des oder der Betroffenen erhoben und versucht, das Ohrgeräusch sowie dessen Intensität und Häufigkeit näher zu beschreiben. Mit einem Ohrmikroskop werden dann Außenohr und Trommelfell untersucht, um auszuschließen, dass ein Schmalzpfropf für das Geräusch verantwortlich ist. Im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan: Eine Gleichgewichtsprüfung gehört deshalb ebenfalls zu den üblichen Untersuchungen. Eine Spiegelung des Nasen-Rachen-Raums und ein Tinnitus-Matching, bei dem der Arzt die Frequenz und die Lautstärke des gehörten Dauertones ermittelt, lassen weitere Rückschlüsse zu. Körperliche Probleme, die außerhalb des Ohres auftreten, einen Tinnitus aber verursachen können, machen weitere Untersuchungen notwendig. Damit können zum Beispiel Blutuntersuchungen, orthopädische oder zahn- medizinische Untersuchungen notwendig werden.

Erfolgreich behandeln mit verschiedenen Therapien 

Je nachdem, ob ein akuter oder ein chronischer Tinnitus vorliegt, kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten infrage. Akute Formen bessern sich nach kurzer Zeit häufig von selbst. Ist das nicht der Fall, werden vom Arzt entzündungs- hemmende Medikamente oder Infusionen verabreicht. Zusätzlich kommen oft durchblutungsfördernde Medikamente zum Einsatz, die dafür sorgen, dass der Bereich des Innenohrs besser mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Krankengymnastische oder kieferorthopädische Behandlungen sind sinnvoll, wenn Fehlstellungen oder Fehlbelastungen die Ursache eines Tinnitus sind. Zeigen alle diese Therapien keine Besserung, kommt eine Sauerstofftherapie in Betracht. Bei einem chronischen Tinnitus verordnen Ärzt:innen durchblutungsfördernde Infusionen. Auch technische Mittel wie sogenannte Tinnitusmasker, spezielle Hörsysteme, die Ohrgeräusche mit einem kontinuierlichen Rauschen überdecken, oder auch konventionelle Hörgeräte werden zur Verbesserung des Befindens häufig eingesetzt. Generell geht es hier aber auch darum, mit dem Tinnitus leben zu lernen. Da übermäßiger Stress das Pfeifen, Klingeln oder Brummen im Ohr verschlimmern kann, sind Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga geeignete Wege. Auch eine psychologische Therapie kann dabei helfen, mit dem Tinnitus umzugehen. 

Selbsthilfe ist möglich 

Verschiedene Maßnahmen können dazu beitragen, mit Ohrgeräuschen besser zurechtzukommen. Hilfreich ist alles, was Körper und Seele entspannt! Wer unter Stress steht, reagiert häufig überempfindlich – auch auf mögliche Geräusche. Eine entsprechende Therapie, die darauf abzielt, Belastungen zu verringern und mehr Ruhe in den Alltag zu bringen, ist auf jeden Fall dazu geeignet, die Situation zu verbessern. Den meisten von einem Tinnitus Betroffenen hilft es paradoxerweise, die Stille zu meiden. Dafür gibt es einen Grund: Je leiser es ist, umso mehr stehen die Ohrgeräusche im Vordergrund! Beim Einschlafen hilft es Patient:innen deshalb zum Beispiel oft, wenn sie leise Musik oder eine andere angenehme Geräuschkulisse wahrnehmen.